Was hilft bei Ablenkung: Eine unbequeme Wahrheit?!

Eine Pusteblume - als Sinnbild, die Ablenkung nicht loszulassen, sondern sie zu akzeptieren.

Neulich hat sich meine Facebook-Community, die Inner Balance Lounge, gewünscht, dass ich etwas zum Thema „Mehr Fokus, weniger Ablenkung“ sage. In der Vorbereitung tat ich mich etwas schwer. Erst dachte ich, dass es daran liegt, dass mir der Background hinter dieser Bitte fehlte. Immerhin hatte ich nur diesen Kurz-Titel bekommen. Ich wusste weder wer sich das Thema gewünscht hatte, noch welches Ziel damit verbunden war. Der Wunsch traf aber offensichtlich einen Nerv in der Gruppe. Denn von allen Themen bekam dieser Vorschlag am meisten Stimmen in der monatlichen Abstimmung. (Wenn Du zukünftig auch live bei den Video-Trainings dabei sein willst, dann kannst Du hier Mitglied werden.)

Als ich mich näher damit beschäftigte, stellte ich aber fest, dass etwas ganz anderes Grund für meine Irritation war: Meine Meinung zum Thema „Ablenkung“ ist nämlich keine schlechte. Im Gegenteil, Ablenkung kann sehr, sehr hilfreich sein, wenn man sie zu nutzen weiß.

Da ich sehr für Klarheit bin, stellte ich also im Video-Training sofort fest, wie ich darüber denke.

Meine These: Die Ablenkung ist Dein Freund!

Hier kannst Du Dir knapp 23 Minuten anschauen, was das Gute an Ablenkung ist, und wie es Dir hilft, zu mehr Fokus zu kommen. Das Video-Training habe ich am 14.02.2018 live in meiner Faebook-Gruppe, der Inner Balance Lounge, aufgezeichnet.

 

Im Text gebe ich Dir eine Zusammenfassung der Video-Inhalte.

Warum ist das so?

Wir Menschen neigen dazu, mit uns selbst zu hart ins Gericht zu gehen. Wir fordern von uns oft mehr, als wir von anderen fordern würden. Unsere Erwartungen sind hoch. Zu hoch. Ähnlich ist es bei dem Thema Ablenkung. Wir halten Ablenkung per se als etwas Schlechtes, was es zu vermeiden gilt.

Was passiert also dann, wenn Du abgelenkt bist?

Du ärgerst Dich über Dich selbst.

Wie konnte das nur passieren, dass Du Dich so einfach ablenken lässt?

Wo hast Du eigentlich Deine Aufmerksamkeit?

Wenn Du so weitermachst, dann wird das nie was mit … der Präsentation für den Chef. Dem neuen Kundenangebot. Und so weiter.

Merkst Du was? Diese Art von Selbstgesprächen ist nicht förderlich. Energie folgt der Aufmerksamkeit. Und wenn wir innerlich mit uns schimpfen, dann richten wir unsere Aufmerksamkeit noch mehr darauf, dass wir gerade abgelenkt sind. Und damit sind wir eines ganz sicher: Richtig abgelenkt.

Stattdessen brauchst Du einen liebevollen Umgang mit Dir selbst. Gerade dann, wenn etwas nicht so läuft, wie Du es Dir eigentlich erwünscht hast. Wenn Du lernst, dass Du Dich selbst so annimmst, wie Du gerade bist – mit allen vermeintlichen Fehlern und Schwächen – dann kommst Du automatisch zu dem, was Du willst: Mehr Fokus.

Selbstannahme statt Selbstgeißelung sollte also das Wichtigste sein. Nimm die Ablenkung lieber als Hinweis darauf, dass etwas in Deinem Leben neu betrachtet werden darf. Und schaue Dir an, für was genau die Ablenkung gerade steht.

Was zeigt Dir die Ablenkung?

Der ständige Griff zum Smartphone, das ewige Checken am PC, ob Mails eingegangen sind oder die Suche nach etwas Essbarem, auch wenn Du nicht hungrig bist. Wenn Du Dich schnell ablenken lässt, dann sagt Dir das immer etwas über Dich.

Beispiele sind:

  • Ich bin müde und ausgelaugt.
  • Ich bin unruhig und nicht bei der Sache.
  • Ich möchte lieber etwas anderes machen.
  • Ich möchte lieber woanders sein.
  • Mein Körper/meine Seele braucht etwas anderes.

Spürst Du das? Wenn Du Deiner Ablenkung die Hand reichst, und sie fragst, was sie Dir sagen will, dann kommen ganz neue Erkenntnisse dabei raus.

Vielleicht ist es total normal, dass Du müde bist, denn Du warst wieder mal zu spät im Bett.

Vielleicht ist es total normal, dass Du unruhig bist, denn Du sitzt schon viel zu lange am Schreibtisch.

Vielleicht ist es total normal, dass Du etwas anderes machen willst, denn dieser Job ernährt Dich zwar, aber berührt nicht Dein Herz.

Vielleicht ist es total normal, dass Du lieber woanders sein möchtest, denn dieser Ort ist nach rationalen Gesichtspunkten ausgesucht worden, und kommt nicht aus Deinem Herzen.

Vielleicht ist es total normal, dass Dein Körper, Deine Seele und auch Dein Geist etwas anderes brauchst als das, zu dem Du Dich gerade zwingen willst.

Ich zum Beispiel habe, während ich diesen Text schreibe, schon mehrfach zum Handy gegriffen, war auf Toilette und habe ziellos nach rechts und links geschaut. Warum? Weil ich platt bin. Dies ist der dritte Text, den ich heute schreibe. Und ich möchte ihn gerne noch fertig bekommen. Aber ich weiß, dass ich direkt nach Veröffentlichung den Rechner ausmache und mir eine Runde Sofa gönne. Alleine diese Selbsterkenntnis hilft mir jetzt, den Artikel schnell fertig zu bekommen. Weil ich weiß, dass ich abgelenkt sein darf und dass es natürlich ist, wenn mein Körper sich nach einer Pause sehnt. Und weil ich weiß, dass ich ihm diese in wenigen Minuten geben werde 🙂

Fokus halten ist ganz einfach

Wir sind natürlicherweise in der Lage, den Fokus auf eine Sache zu halten, wenn die Rahmenbedingungen dafür erfüllt sind.

Dazu gehören:

  • Eine gute Energie: Wenn Du traurig bist, unausgeschlafen oder sonstwie nicht gut drauf, dann wird es schwieriger. Hier helfen Dir stärkende Routinen, wie z. B. Yoga, Bewegung, Meditation, Spaziergänge in der Natur, um in einer guten Energie zu sein.
  • Klarheit über Dein Ziel: Du solltest wissen, was Du wirklich willst. Das kann etwas anderes sein, als das, was Du gerade machen willst/sollst/musst. Es kann Dir schon helfen zu erkennen, dass Du mit dieser Aufgabe fremden Zielen folgst und Du Dich deswegen ablenken lässt. Alleine die Einsicht wird Dir zu mehr Fokussierung verhelfen.
  • Die eigenen Werte: Wenn Du gegen Deine Lebensmotive lebst, dann bist Du nicht im Einklang. Das kann sich auf eine erhöhte Tendenz zur Ablenkung niederschlagen.
  • Die eigene Persönlichkeit: Wenn Du gegen Deine Persönlichkeit agierst, dann wirst Du Dich höchstwahrscheinlich schneller ablenken lassen, da Du nicht im Flow bist.
  • Guter Selbstwert: Dein Selbstwert ist die Basis für mehr Fokus. Denn wenn Du Dich selbst als wichtig schätzt, dann nimmst Du auch an, was Dir gerade passiert.

Was hilft bei Ablenkung?

Diese 6 Tipps helfen Dir, nachhaltig etwas gegen Ablenkung und für Fokus zu tun.

  1. Wenn Du Dich hast ablenken lassen, dann mache Dir zuerst bewusst, wieso diese Ablenkung eingetreten ist. Was ist die eigentliche Ursache hinter der Ablenkung?
  2. Nimm die Ablenkung liebevoll an. Schimpfe nicht mit Dir. Du bist nicht ohne Grund abgelenkt.
  3. Identifiziere Deine persönlichen Stellschrauben. Woran liegt es, dass Du z.B. bei einer bestimmten Tätigkeit immer wieder abgelenkt bist? Entspricht diese Tätigkeit überhaupt Deiner Persönlichkeit? Wenn Du Dich bei Deiner Buchhaltung gerne ablenken lässt, weil Du sie im Grunde ätzend findest, dann ist das normal. Überlege Dir, ob Du diese Tätigkeit abgeben kannst. Arbeitest Du jeden Tag zu lange und bist deswegen in den Abendstunden nicht mehr im Fokus? Normal! Versuche Deine Arbeitszeiten zu reduzieren bzw. mache mehr Pausen, die Dich regenerieren.
  4. Passe Deine Stellschrauben so an, dass sie Dir dienen. Wenn Du Dich wirklich leicht und regelmäßig ablenken lässt, dann läuft irgendetwas schief in Deinem Leben. Sei ehrlich zu Dir, übernimm dafür die Verantwortung und ändere sie.
  5. Finde den Flow. Wann fällt es Dir leicht, den Fokus zu halten? Finde diese Momente, mache sie Dir bewusst und genieße sie. Hole Dir mehr solcher Momente in Dein Leben.
  6. Vergib Dir selbst. Erwarte nichts Übermenschliches von Dir. Verzeih Dir, wenn es Dir im Moment nicht so gut gelingt, den Fokus zu halten. Sei milde und nachsichtig. Das ist die beste Stimmung, um schnell wieder fokussiert zu sein.

Fazit

Die Ablenkung ist weniger schlecht als ihr Ruf. Tatsächlich lädt sie Dich ein, mal genauer hinzuschauen, was die Hintergründe sind. Nur wenn Du weißt, wann Du Dich besonders gerne ablenken lässt, kannst Du auch etwas tun. Mehr Fokus entsteht dann, wenn Du weißt, was Du willst, und wie die Strategie ist. Dabei ist es wichtig, dass Du jeden Tag auf Deinen Energiehaushalt acht gibst. Sorge immer dafür, dass es Dir und Deinem Körper gut geht.

Wann lässt Du Dich besonders gerne ablenken? Was ist Deine Theorie, warum das so ist? Ich freue mich auf Deine Geschichte in den Kommentaren

Photo by Daria Nepriakhina on Unsplash

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