SOS-Strategien

Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich sehr kopfgesteuert war. Auf meinen Verstand war ich nämlich immer stolz. Er analysierte und strukturierte blitzschnell und wusste sofort, was der nächste Schritt sein muss. Und da die Arbeit einen großen Teil meines Lebens ausmachte, war mein Kopf ständig gefragt.

Denn schon morgens plante ich unter der Dusche den Tag und machte mir zwischendurch immer wieder Notizen, was ich auf gar keinen Fall vergessen durfte. Im Büro ging es dann weiter: Als Projekt- und Teammanagerin stand immer jemand in meiner Tür und hatte eine Frage. Leichte Fragen beantworteten sich die Menschen selbst. Wenn also jemand bei mir nachfragte, dann war es tricky. Ich schmiss also meinen Denkapparat auf der Stufe „intensiv“ an, um das Problem zu lösen. Und zum Abschluss des Tages reflektierte ich dann noch über den Arbeitstag und überlegte mir, was gut bzw. schlecht gelaufen war.

Merkst Du was? Mein Kopf stand nie still. Es gab – außer wenn ich schlief – kaum einen Moment, in dem ich wirklich abschalten konnte. Es wird Dich nicht überraschen, dass mich dieses Pensum mit der Zeit total schlauchte. Ich musste mich also dringend entspannen. Was ich damals gebraucht hätte? Schnell wirksame SOS-Strategien, um mich auf Knopfdruck zu entspannen.

Das Problem war, dass ich damals keinen blassen Schimmer hatte, was mir gut tun würde.

Über die Jahre probierte ich also eine Menge aus:

  • Unzählige Fitness- und Yogastudios und etliche Entspannungskurse an der hiesigen Volkshochschule
  • DVDs und CDs mit Übungen und Entspannungsmusik
  • Früher schlafen gehen (aber da ich damals eine schlechte Schläferin war, da mich meine Gedanken oft wach hielten, brachte das nicht viel)
  • Zig Ernährungsexperimente unterstützt von Büchern und neuen Haushaltsgeräten
  • Bücher und Artikel über die Themen Minimalismus, Feng Shui, Yoga, Meditation und Achtsamkeit

Im Nachhinein stelle ich fest, dass ich – ohne es zu merken – mal eben ein Zweitstudium in „Lifestylemanagement mit Schwerpunkt Entspannung“ absolviert habe. Den Studiengang gibt es natürlich nicht, aber so in etwa kam es mir vor ;-) Durch die konsequente Beschäftigung mit diesen Themen veränderte sich mein Leben absolut zum Positiven. Ich wurde ausgeglichener, konnte auch mal alle Fünfe gerade sein lassen und lernte, den Kopf bewusst abzuschalten. Da ich in dem, was ich tue, sehr gründlich bin, war es aber auch eine angespannte Zeit. Ich war mehrfach kurz davor, in die Selbstoptimierung abzudriften. Bis ich dann irgendwann nach einigem Ausprobieren „meins“ gefunden hatte.

Und damit Du nicht ebenfalls diesen intensiven Studiengang ;-) absolvieren brauchst, teile ich in diesem Artikel meine besten SOS-Strategien für mehr Energie mit Dir.

Die Tipps wende ich selbst schon seit Jahren an und sie funktionieren garantiert und sind echt einfach.

Deine SOS-Strategien bei 1 Minute Zeit

  1. Hüpfe auf der Stelle und schwinge dabei Arme und Beine mit. Zieh die Beine abwechselnd hoch. Mach den Hampelmann aus Kindertagen. Dabei aus tiefstem Herzen lachen oder wenigstens so tun, als ob. Beim Lachen werden nämlich die Stresshormone im Blut (Kortisol und Adrenalin) reduziert und stattdessen Glückshormone (Endorphine) ausgeschüttet.
  2. Reiß das Fenster auf, lehne Dich weit raus und atme ganz bewusst und tief ein und aus. Ziehe die frische Luft tief in Deine Lungen. Nimm bewusst auf, was Du draußen siehst. Fokussiere Dich 60 Sekunden wirklich komplett auf Deinen Atem.
  3. Führe ein Selbstgespräch mit Dir und erzähle Dir lauter positive Sachen über Dich. Führe das Selbstgespräch gerne laut und mehrmals hintereinander. Falls Dir nichts einfallen sollte, hier ein Textvorschlag. Wandele diesen Text gerne ab und verwende Deine eigenen Worte. Mach es zu Deinem persönlichen Gespräch mit Dir selbst.

Ich bin ein total genialer Mensch. Wenn ich nicht geboren wäre, hätte die Welt richtig was vermisst. Ich bin gut so wie ich bin. Wenn ich Fehler mache, dann soll das so sein. Ich darf daraus lernen. Ich werde geliebt und wertgeschätzt. Und ich liebe mich selbst für das, was ich alles schon erreicht und geleistet habe. Und auch wenn ich nichts tue und gerade einmal nichts schaffe, dann liebe ich mich auch dafür. Ich bin stolz darauf, jetzt in dieser Minute mir die Zeit für mich zu nehmen. Ich bin froh, dass ich meine Bedürfnisse erkenne und lebe. Ich liebe mich für meine Stärken (hier bitte Deine persönlichen Stärken einsetzen). Ich liebe mich für meine Kraft und meine Stärke.

Deine SOS-Strategien bei 10 Minuten Zeit

  1. Mach Dir Deine Lieblingsmusik von früher an. Soft Rock aus den 80ern oder Dancefloor aus den 90ern – egal was, es darf ruhig peinlich sein. Und dann dreh sie laut und tanze dazu. Ja richtig, einfach lostanzen. Wenn Du magst, auch gerne mitsingen. Du schaffst Dir Deine gute Stimmung einfach selbst. 2 oder 3 Songs – und wenn Du Dich richtig bewegt hat, dürftest Du jetzt auch etwas aus der Puste sein.
  2. Jacke an und einmal um den Block. Es regnet oder es ist kalt? Umso besser! Egal, ob Dir gleich die Sonne auf den Latz knallt oder der Wind um die Ohren peitscht. Nimm das Wetter und damit das Spiel der Elemente bewusst wahr. Gehe in Deinem Tempo. Du brauchst in keinen Park oder Wald gehen, wenn keiner in der Nähe ist. Nimm einfach die Umgebung an, die gerade da ist.
  3. Mach einen kurzen Power Nap. Das geht auch im Sitzen, im Büro oder in der Bahn. Timer im Handy anstellen und dann Augen zu. Egal, ob Du wirklich schläfst oder nur döst – die Augen bleiben zu. Du wirst merken, dass sich Deine Gedanken dann von selbst irgendwann beruhigen.

Deine SOS-Strategien bei 60 Minuten Zeit

  1. Mach einen Spaziergang im Wald oder im Park – auf jeden Fall in einer Umgebung, in der Du die ursprüngliche Natur wahrnehmen kannst. Atme bewusst und spüre, wie sich mit der Zeit immer mehr Dein Atem normalisiert. Unter Stress atmen wir alle viel zu flach, deswegen leg hier Deinen Fokus drauf. Wenn Du magst, suche Dir einen Baum aus und umarme ihn. Nimm wahr, wie sich der Baum anfühlt, und sauge seine Kraft und Stabilität in Dich auf. Wenn Du in einem Park mit Kinderspielplatz bist, gehe schaukeln. Sei wieder Kind und genieße das Gefühl der Unbeschwertheit.
  2. Koche Dir ein leichtes und gesundes Essen mit viel Gemüse. Es braucht nichts Aufwändiges sein, vielleicht eine kleine Gemüsepfanne oder eine Suppe. Wichtig ist, dass Du es selbst zubereitest. Konzentriere Dich auf das Schneiden, auf das Tun. Verliebe Dich in das Gefühl, dass Du Dir gerade mit eigenen Händen etwas Gutes tust, dass Du gut zu Dir selbst bist. Wenn Du magst, mach Dir Deine Lieblingsmusik dazu.
  3. Rolle Dir Deine Sportmatte aus und mache eine Runde sanfte Gymnastik, z. B. Yoga. Wenn Du keine Matte hast, such Dir eine Ecke auf dem Teppich oder nimm ein großes Handtuch. Spüre hinein, wonach Dir der Sinn steht. Wenn Du Dich im Alltag viel auspowerst, probiere mal aus, was ruhige Bewegungen mit Dir machen. Damit Du nicht lange suchen brauchst, hier meine Tipps:

Ruhiges Yoga mit Fokus auf Dehnung & Stärkung des Körpers

Yin Yoga mit Fokus Schultern und Brustkorb – perfekt für Schreibtisch-Täter

Yoga für Anfänger – kurzes Komplettprogramm mit Sonnengruß

Was für alle SOS-Strategien gilt

Raus aus Deinem Kopf und rein in Deinen Körper. Versuche schnellstmöglich abzuschalten und runterzukommen. Deine vielen Gedanken haben danach wieder ihren Raum. Aber jetzt ist erstmal Dein Körper dran!

  • Sei erfinderisch und spiele damit! Nimm Dir meine Strategien als Anregung, probiere sie aus und wandele sie dann ab. Mach es zu etwas ganz Persönlichem, was nur zu Dir passen muss. Und ja, es darf auch mal peinlich sein.
  • Baue diese Strategien jeden Tag bewusst mit ein. Dann werden es irgendwann keine SOS-Strategien mehr für Dich sein, sondern Du wirst insgesamt ruhiger und entspannter sein sowie mehr Energie haben. So tankst Du regelmäßig Deine Energiespeicher auf und begegnest den Dingen mit frischer Kraft und weniger Anspannung.

Auf den Punkt gebracht

Wenn Du gerade eine Zeit hast, in der Du unter Druck und Anspannung stehst, dann probiere die Tipps einfach mal aus. Und in guten Zeiten achte immer darauf, was Dir wirklich gut tut. So baust Du mit der Zeit Deine persönlichen SOS-Strategien für schlechte Zeiten auf.

Konnte ich Dich inspirieren? Mach am besten jetzt sofort eine der kurzen Strategien und spüre, wie sich das für Dich anfühlt. Und dann mache Dir Gedanken, welche der SOS-Strategien Du als nächstes ausprobieren willst. Schreibe gerne in die Kommentare, wie es Dir damit ergangen ist. Welche Strategie funktioniert bei Dir am besten? Ich bin gespannt :-)

(Photo by Jake Melara on Unsplash)

7 Kommentare
  1. Anna
    Anna sagte:

    Danke Sandra für die Strategien – eine tolle Zusammenfassung von super einfachen und sehr wirksamen Tätigkeiten 😊. Ich habe auch schon einige davon ausprobiert und kann sagen, dass sie allesamt total helfen, um den Akku wieder aufzuladen und sich gleich wieder gut zu fühlen. Vor allem frische Luft, Spaziergang in der Mittagspause statt vorm Comuter sitzen bleiben habe ich in mein Arbeitsleben geholt. Und zuhause rumzappeln zu guter Musik macht sowieso automatisch gute Laune 😉

    Antworten
    • Sandra Lotz
      Sandra Lotz sagte:

      Liebe Anna,

      klasse, dass Du schon so aktiv bist! Ich bin persönlich auch ein riesen Fan von frischer Luft und kurzen Spaziergängen.
      Früher dachte ich, dass das was für alte Menschen ist. Bis ich dann entdeckt habe, wie wohltuend das ist.
      Wie schön, dass Du auch mittags Deine Pause dafür nutzt.

      Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag mit etwas frischer Luft & netter Musik!

      Alles Liebe,
      Sandra

      Antworten
  2. Manuela
    Manuela sagte:

    Ach, liebe Sandra, du sprichst mir aus der tiefsten Seele! Ich bin ein absoluter To-Do-Listen-Mensch, habe im Büro meinen Block immer zur Hand und im Handy nutze ich eine Notizen App und meinen Kalender, um auch ja nichts zu vergessen. Im Büro finde ich das ja in Ordnung, da müssen die Aufgaben einfach erledigt werden. Aber im Privatleben setzt man sich eigentlich nur unnötig unter Druck. Ich glaube, den meisten Dingen ist es egal, ob sie heute oder morgen erledigt werden (meinen Füßen ist es ja auch egal, dass ich bunte Socken anziehen muss, weil die schwarzen alle in der Wäsche sind). Auch dein Zweitstudium kenne ich aus eigener Erfahrung. Für das Geld, was ich schon für Bücher, CDs und DVDs ausgegen habe, könnte ich wahrscheinlich schon ein paar nette Stunden in einem Wellness-Hotel zur Entspannung verbringen. Also liebe Sandra, vielen Dank für diese tollen Tips! 1-10 Minuten hat denke ich jeder am Tag mal Zeit dafür! Ich werde direkt anfangen, sie umzusetzen. Aber statt nach draußen zu gehen und einem Baum meine Liebe aufzudrücken (es ist ehrlich gesagt auch schon stockdunkel draußen), nehme ich (nachdem ich meine endlich gewaschenen Socken in die Schublade geräumt habe) mein Buch und verkrümel mich damit in die Badewanne!
    Mach weiter so, dann wird die Welt ein kleines bisschen besser, weil alle etwas entspannter sind :*

    Antworten
    • Sandra Lotz
      Sandra Lotz sagte:

      Liebe Manuela,

      Badewanne & Buch – fantastisch, das nehme ich mir direkt auch mal wieder vor ;-) Was für eine schöne Ergänzung! <3

      Und über deinen Satz mit den bunten Socken musste ich gerade herzhaft lachen (das sollte man auch mindestens einmal am Tag machen!), denn Du hast so Recht damit:
      Wir wollen es immer gerne schön haben, und dazu gehören auch die passenden Socken etc. Aber im Grunde ist es total wurscht.

      Danke Dir für Deinen lieben Kommentar!

      Viel Spaß in der Badewanne
      Sandra

      Antworten

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  1. […] raus in die Natur und tanke auf. Sitze nicht nur vor dem Schreibtisch. Baue regelmäßig Erholungspausen ein, wenn Du arbeitest. Dein Körper wird es Dir […]

  2. […] bringt. Hierfür gibt es zwei Denkweisen: Du reduzierst die Stressursache. Oder Du wirkst mit einer Entspannungsmethode im Nachhinein dagegen […]

  3. […] Hier habe ich Dir zusammengestellt, wie Du in 1, 10 oder 60 Minuten sofort mehr Energie in Dein Lebe… […]

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