Wie Du mutig sein trainieren kannst

„Du bist echt mutig“ ist einer der Sätze, die ich in meinem Leben ziemlich häufig höre. Witzigerweise empfinde ich mich selbst als gar nicht besonders mutig. Ich bin noch nie in meinem Leben aus einem Flugzeug gesprungen. Stand noch nie auf einem Surfbrett in einem Meer voller Haie. (Und auch sonst auf keinem Surfbrett). Und als ich vor 10 Jahren versucht habe, mit einem Snowboard den Berg runterzufahren, kam mir mein schlimmer Muskelkater als Ausrede fürs Aufgeben gerade recht. Wieso sollte also gerade ich besonders mutig sein? Und wie gelingt es einem überhaupt, mutig zu sein?

Was genau ist eigentlich Mut?

Unter Mut versteht man, dass man sich traut, sich in eine mit Unsicherheiten verbundene Situation zu begeben. (Quelle: Wikipedia) Im Grunde heißt das nur, dass man den Ausgang einer bestimmten Situation nicht einschätzen kann und sich trotzdem in sie hinein begibt. Je unberechenbarer eine Situation also für Dich ist, desto mehr Mut brauchst Du, um sie anzugehen. Deshalb gehst Du jeden Tag zur Arbeit, denn Du kennst Deine Aufgabe und Deine Kollegen. Und auch wenn Du Dich im Job nicht wohl fühlst, so sind doch die Umstände für Dich vertraut. Und obwohl auch hier theoretisch jeden Tag etwas Unerwartetes passieren kann, wie z.B. ein Streit unter Kollegen, Mobbing oder sogar eine Kündigung, erscheint es Dir dennoch nicht als besonders mutig.

Bist Du aber auf Jobsuche und willst Dich größer verändern, dann wird diese Sache plötzlich riesengroß. Du brauchst dann Mut, um Dich dem Unbekannten zu stellen. Obwohl ein neuer Job Dich zufriedener machen kann, führt doch die Ungewissheit über den Ausgang eines Jobwechsel dazu, dass Du Dich vielleicht drücken willst.

Warum brauchst Du Mut in Deinem Leben?

Es gibt ein Zitat, welches ich sehr mag:

Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes Wichtiger ist als deine Angst. (Aus dem Film „Plötzlich Prinzessin“)

Ist das vielleicht schon die Antwort? Ist Mut also nicht unbedingt eine besondere Charakterstärke, sondern einfach der feste Wille, etwas Wichtigem in seinem Leben den Vorzug zu geben. Was könnte dieses andere sein? Bei mir steht z. B. die Lebensqualität im Vordergrund. Mir ist es wichtig, ein erfüllendes Leben zu führen. Ich möchte meine Zeit nicht mit Dingen verschwenden, an denen mein Herz nicht hängt. Lebensqualität ist demnach für mich einer der Faktoren, nach denen ich entscheide, ob ich bestimmte Dinge tue oder nicht.

Übrigens bedeutet Lebensqualität nicht automatisch, besonders ungewöhnliche Dinge zu tun und ständig in Action zu sein. Es heißt vielmehr Zeit für etwas zu investieren, das mir gefällt und das zu mir passt. Das kann auch gerne mal ein Abend auf dem Sofa sein. Und wenn ich entscheiden darf zwischen Lebensqualität und Angst, dann entscheide ich mich für die Lebensqualität. Für das Gefühl im Bauch, wenn ich etwas absolut will. Für dieses Flattern in der Brust, das mir anzeigt, dass ich gerade richtig unterwegs bin. Und ziehe es durch, auch wenn ich gleichzeitig Angst davor habe, dass ich scheitere oder dass es mir irgendwann doch nicht mehr gefällt.

Wenn Du also deine Lebensmotive kennst und weißt, warum Du etwas tust, dann brauchst Du Mut für die Umsetzung. Denn Dinge, die Dich glücklich machen, bringen häufig eine gewisse Unbekannte mit sich. Wenn Du nicht weißt, was Deine Motive sind und was Dich wirklich erfüllt im Leben, dann besteht die Tendenz, dass Du Dein Leben zu seicht lebst. Du schöpfst dann nicht das aus, was in Deinem Inneren gehört werden möchte. Mut brauchst Du also dazu, um Dinge in Dein Leben zu integrieren, die Dir wirklich wichtig sind und am Herzen liegen.

Wieso glaubst Du nur von anderen, dass sie besonders mutig sind?

Ganz sicher hat es damit zu tun, aus welcher Perspektive Du schaust. Findet man nicht genau die Sachen mutig, die man sich selbst nicht trauen würde? So wie mich keine 10 Pferde mit Fallschirm in ein Flugzeug bekommen würden, so bin ich aber doch in der Lage in meinem Leben auch mal unangenehme und schwierige Entscheidungen zu treffen. Angst kann und wird Dich immer ereilen. Jedoch ist es wichtig, bei Lebensentscheidungen die Angst anzunehmen und die nötigen Schritte zu gehen, auch wenn sie schmerzhaft sind. Denn Angst ist nichts Schlechtes, sondern es treibt Dich zu Höchstleistungen an. Angst solltest du als Deinen Verbündeten sehen, der Dir aufzeigt, wo es gerade schön und reich an Entwicklung für Dich sein könnte.

Denn nach der Angst kommt das wahre Leben: Ein Gefühl, wirklich selbstbestimmt zu handeln. Und die Erkenntnis, dass Du gewachsen bist und an persönlicher Stärke gewonnen hast.

Nicht umsonst sagt man:

„Was Dich nicht umbringt, macht Dich stark“.

Was heißt das für Deinen Alltag? Es muss nicht gleich der Fallschirmsprung sein (außer Du willst es). Aber geh rein in Deine Ängste, die sich immer mal wieder zeigen, beachtet und aufgelöst werden wollen. Denn wenn Du an Mut gewinnen möchtest, dann ist es essenziell, dass Du Deine Ängste annimmst und lernst, sie zu bewältigen. In die Angst zu gehen ist somit ein absoluter Erfolgsfaktor, um selbstbestimmt Dein Leben zu leben. Und wenn Du andere für mutig hältst, ist dies ein klarer Indikator dafür, an welchen Stellen Du Dir selbst noch eine Scheibe abschneiden solltest.

Wie kannst Du schrittweise Mut zeigen?

Normalerweise bin ich immer sehr dafür, groß zu denken und sich positiv auszurichten. Gerade wenn du Dich noch nicht so lange mit Dir selbst beschäftigst, kann Dir das aber anfangs etwas schwer fallen. Unsere Gesellschaft tickt in weiten Teilen so, dass es normal ist, sich zu beschweren und zu beklagen. Speziell den Deutschen sagt man nach, dass sie Weltmeister im Jammern sind. Jammern funktioniert in etwa so, dass Du Umstände als gegeben hin nimmst und Dich dann über alles und jeden beschwerst, der nicht so funktioniert, wie Du das erwartest. Das hat auch viel damit zu tun, eine vermeintliche Kontrolle und damit Sicherheit in seinem Leben zu behalten.

Ein einfacher Trick ist daher, Dich Folgendes bei einer Entscheidung zu fragen:

  • Was ist das Schlimmste, was passieren kann?
  • Und wenn das Schlimmste eintreten sollte, wie schlimm wäre das wirklich?
  • Und was würde mit mir passieren, wenn das Schlimmste zutreffen würde?

Damit bleibst Du erstmal in den gewohnten Denkbahnen und setzt Dich mit einem möglichen schlechten Ende auseinander. Wenn Du weißt, was bei einer Entscheidung schlimmstenfalls auf Dich zukommen kann, kannst Du Dich besser darauf einstellen. Das Ungewisse wird damit berechenbar und Du verlierst die Angst davor. So behältst Du in deinen Gedanken die Kontrolle über eine Situation. Damit fällt es Dir einfacher, bestimmte Dinge umzusetzen und damit Mut zu beweisen.

Aber Achtung, dies ist ein eher negativ geprägter Ansatz. Mit der Zeit solltest Du lieber versuchen, Dich auf positive Gedankenmuster zu trainieren und Dir alles Schöne vorstellen, was mit einer Entscheidung einher gehen kann. Für den Anfang ist es aber häufig leichter, erstmal in der gewohnten Denkwelt zu bleiben und sich dann Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.

Handle mutig und Du wirst mutig

Mut kannst Du auch in Situationen zeigen, in denen es erstmal nicht so drauf ankommt. Vielleicht gehst Du mal alleine ins Kino oder behauptest Dich in einem Konflikt mit deiner Meinung. So baust du nach und nach mehr Mut in Dein Leben ein. In richtigen großen Momenten bist Du dann schon etwas geübt. Das mutig sein fühlt sich dadurch nicht mehr so fremd an.

„Handle mutig und du wirst mutig“.

Auch wenn sich das angesprochene Flattern in Deinem Körper breit macht, solltest Du diesem Gefühl Taten folgen lassen. Denn je mehr Du wirklich aktiv Dinge unternimmst, die Du Dich bisher nicht getraut hast, desto mehr Selbstsicherheit baut sich in Dir auf. Auch ein wenig „Faken“ kann Dir helfen, mutig zu agieren. Im Zweifel ist es nämlich egal, ob Du zu 100 % sicher bist, dass alles gut wird oder nur so tust als ob. Durch Aktion bekommst Du automatisch Selbstsicherheit und das nächste Mal fühlt sich schon alles nicht mehr so schlimm an. Irgendwann sind dann auch große Entscheidungen bloß noch Prüfungen, die uns das Leben stellt. Diese lassen sich genauso angehen, wie kleine Entscheidungen. Die Mechanismen und das Gefühlschaos sind Dir dann schon vertraut. Du siehst diese dann genauso als Teil deines Lebens wie kleine Entscheidungen. Denn wenn Du wirklich weißt, was Du im Leben willst, dann gehört Mut unbedingt dazu, um Dir deine Träume zu erfüllen. Probiere es mal aus und berichte in den Kommentaren, wie es Dir damit ergangen ist.

(Photo by Austin Neill on Unsplash)

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  1. […] Du spürst, was Deine Intuition Dir sagt, dann darfst Du auch danach handeln. Dafür braucht es Mut, Entschlossenheit und einen bewussten […]

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