5 wichtige Punkte, um das richtige Event zu finden

Am 09. September 2016 besuchte ich mein offiziell erstes berufliches Event. Wenige Monate zuvor hatte ich mich nebenberuflich mit meinem meinem Coaching-Business selbständig gemacht und jetzt wollte ich damit mal “raus gehen”.
Meine Wahl fiel auf:  Den IHK Gründerinnentag in Frankfurt am Main.

Boah, war ich damals aufgeregt. Obwohl ich vorher als IT-Projektmanagerin schon auf zig Konferenzen vertreten war, war dieses Umfeld ziemlich neu für mich. Gefangen in den staubigen Hallen der IHK in Frankfurt wuselten gefühlte 1 Mio. Frauen um mich herum, die sich alle offensichtlich entweder kannten oder so gar keine Scheu vor der Gemeinsamkeit hatten. Obwohl ich mit Mitte 30 sicherlich nicht die Jüngste war, kam ich mir unheimlich jung und unerfahren vor. Und dann dieses ständige Gesieze – fürchterlich!

An die Vorträge kann ich mich nicht mehr erinnern, was daran lag, dass sie null komma null zu meinem Business (auf dem damaligen Stand) gepasst haben. Aber ich weiß noch, dass ich es irgendwie geschafft habe, im Laufe des Tages einige andere Frauen in den Dreißigern kennen zulernen und so nicht komplett alleine herum zu laufen. Eine davon ist auch heute noch eine Vertraute aus meinem Selbständigen-Netzwerk, insofern war der Tag nicht ganz umsonst.

Am Tagesende hielt ich trotzdem Folgendes fest:

  • Wenn ich zu einer IHK-Veranstaltung gehe, kann ich auch gleich in die Bank gehen. Beides hat den gleichen Geruch von Spießigkeit. Und den will ich für mich einfach nicht mehr.
  • Ich will nicht siezen. Never. Schlimm genug, dass ich es manchmal “muss” (beim Arzt, in einer Behörde). Aber doch nicht in meinem eigenen Business, was meinen Namen trägt.
  • Ein ganzer Tag ist eine verdammt lange Zeit. Und mit eigenem Business (und damals noch “Vollzeit-Nebenjob” in einer Bank) ist Zeit einfach ein knappes Gut. So knapp, dass ich besser auswählen darf, welches Event ich besuche und welches nicht.
  • Ich kann nicht pitchen. Schäm. Ich muss unbedingt lernen, das was ich tue, so zu formulieren, dass es jemand anderes auch versteht. Und dafür am besten vorher auch klären, was ich eigentlich tue ;-)

Drei Wochen später war ich dann übrigens bei Julian Heck auf dem KeinStartUp-Event und die Punkte 1 – 3 entfielen direkt.

Es war in keinster Weise spießig.

Ich habe den ganzen Tag geduzt und wurde auch geduzt.

Und ich habe JEDE MENGE für mich herausgezogen, und könnte sogar noch einzelne Highlights benennen – OBWOHL es 2 Jahre her ist. Was für die Qualität der Veranstaltung spricht.

Dennoch habe ich mir danach einige Punkte zusammengestellt, um zukünftig besser entscheiden zu können, ob ich mich für ein Business-Event entscheiden soll oder nicht.

4 Punkte, über die Du vor der Entscheidung für ein Event Klarheit haben solltest*

*und einen Schritt, den Du immer berücksichtigen solltest

Nach 2,5 Jahren Selbständigkeit habe ich nun diverse Veranstaltungen besucht und bin auch selbst ein wenig zur Ruhe gekommen. Ich muss nicht mehr jeden Monat irgendwo herumtoben, sondern nutze meine Zeit häufig anders, um an meinem Business voranzukommen. Wenn ich mich dafür entscheide, ein Event zu besuchen, dann prüfe ich im Vorfeld diese Schritte:

1. Was ist mein Ziel?

Mit einem Event-Besuch solltest Du ein konkretes Ziel verfolgen. Einfach nur “Netzwerken” ist schön und kann natürlich auch etwas bringen. Sicher hast Du schon gehört: Es ist super zu nNtzwerken!

Und das ist bestimmt auch nicht falsch und es schadet natürlich auch nicht, ein funktionierendes Netzwerk zu haben. Und es ist auf jeden Fall wichtig, dieses Netzwerk nicht nur online zu haben. Wichtig ist: Sich auch mal knuddeln, wenn man sich mag. Persönlich beschnuppern. Die Energie spüren. Gucken, ob diese Person nun eigentlich eine große oder kleine Frau ist.

Offline ist auf jeden Fall ein wichtiger Faktor bei solchen Events. Und Netzwerken heißt ja im Grunde, dass Du einen Kreis von Menschen aufbaust, den Du zum Beispiel in unternehmerischen Dingen in Bezug auf Deine Selbständigkeit um Rat fragen kannst. Und Menschen, die Du auch ganz aktiv dabei unterstützt, so dass diese auch vorankommen.

Aber “Netzwerken” als solches ist kein Ziel.

Aber wenn Du im Vorfeld für Dich klar hast, was Du Ziel ist, d.h. was Du erreichen willst, dann kannst Du auf der Veranstaltung selbst zielgerichteter vorgehen (z. B. in der Auswahl der Sessions und Beiträge, die Du besuchst, bzw. in der Auswahl Deiner Gesprächspartner).

Folgende Ziele gibt es:

  1. Weiterbildung und Lernen: Du nutzt Live Events, um Dich weiterzubilden. Du triffst Menschen, die Du vorher im Internet gesehen hast oder die Du noch gar nicht kennst. Du informierst Dich über Themen, die für Dich interessant sind, wo Du im Moment noch keinen richtigen Bezug zu hast. Oder Du bearbeitest auf so einem Event Deine offenen Themen für Dein Business.
  2. Kundengewinnung: Du kommst in echten persönlichen Kontakt mit Deiner Zielgruppe. Dafür solltest du natürlich eine ungefähre Ahnung haben, wer Deine Zielgruppe ist. Das muss noch kein ausformulierte Avatar sein, also Dein personifizierter Wunschkunde. Aber Du solltest grob wissen, wer Deine Zielgruppe ist.
  3. Kooperationspartner finden: Kooperationspartner zu finden ist meist ein Thema, das für einen Starter nicht so relevant ist. Erst im Laufe der Zeit möchte man vielleicht gemeinsame Projekte stemmen. Es gibt aber auch Selbstständige, die quasi im Tandem mit jemand anderem erfolgreich werden. Du kannst also auf so einer Veranstaltung einen Kooperationspartner finden, mit dem Du ein größeres Projekt realisieren kannst.
  4. Sichtbarkeit erhöhen: Du wirst gesehen. Du sprichst mal wieder mit echten Menschen. Du verbindest Dich. Es gibt Selfies von Dir am Veranstaltungsort. Du drehst ein kurzes Live-Video und zeigst Deiner Community, wo Du Dich gerade herum treibst. Du bist auf den Selfies von Kollegen drauf. Und so weiter.

Du solltest mindestens ein Ziel davon bewusst verfolgen. Oft haben wir auch mehrere Ziele. Wenn wir uns zu einem bestimmten Thema weiterbilden wollen, dann freuen wir uns natürlich trotzdem darüber, einen neuen Kunden zu gewinnen. Wenn wir auf der Suche nach einem Kooperationspartner für ein größeres Projekt sind, dann saugen wir trotzdem alles auf, was wir lernen können.

Dennoch ist es wichtig, dass Du nicht pauschal immer alles erreichen willst. Das überlastet nur das Event, Du nimmst Dir zu viel vor und hast gedanklich keinen Fokus. Für Deine innere Ausrichtung ist es aber entscheidend, dass Du innerlich klar bist, denn dann kannst Du am meisten herausziehen. Und darüber hinaus bist Du ja offen :-)

Tipp: Spüre in Dich hinein, was Dir gerade am Wichtigsten ist. Und dann richte darauf Deinen Fokus.

2. Was will ich lernen/umsetzen?

Die Dinge, die Du für ein eigenes Business lernen darfst, sind auf der einen Seite unterschiedlich. Anfangs geht es darum, das Fundament aufzubauen, z. B. über die erste Positionierung, das erste Produkt zu entwickeln, den ersten Vertriebskanal aufzusetzen und die ersten Schritte in Richtung Sichtbarkeit zu tun.

Auf der anderen Seite haben wir aber alle ähnliche Themen: Mehr Kunden und mehr Umsatz.

Und dabei noch gelassen, in Balance und mit viel Freude das eigene Business gestalten.

Man könnte also immer noch persönlicher und schärfer positioniert sein. Es könnten auch meist immer noch mehr Kunden sein. Diese könnten leichter gewonnen werden. Und es kommen ständig neue Trendkanäle auf, die man sich mal anschauen will (wer hat vor 3 Jahren über Instagram und Pinterest gesprochen?).

Ob diese Themen gerade für Dich relevant sind, entscheidest Du selbst – je nachdem, an welchem Punkt Du gerade stehst.

Tipp: Mache Dir eine Liste mit Themen, die Du für Dich in den nächsten 3 – 6 Monaten lernen willst.

3. Wen will ich erreichen?

Du solltest Du zumindest eine grobe Vorstellung von Deiner Zielgruppe haben, um entscheiden zu können, ob sich ein Event für Dich lohnt oder nicht.

Frage Dich:

  • Welchen Typ Menschen werde ich auf dem Event treffen?
  • Werden es eher Männer oder eher Frauen sein?
  • Werden sie eher mein Alter sein, jünger, älter oder gemischt?
  • Auf welchem “Stand” sind sie?
  • Sind sie angestellt oder selbständig?
  • Könnten Sie das Problem haben, was ich mit meinem Angebot löse oder nicht?

Sei da ganz ehrlich zu Dir selbst. Es ist total ok, auf ein Event zu fahren, auch wenn dort vermutlich nicht Dein potenzieller Kunde auf Dich wartet. Aber Klarheit vorher verhindert nur Enttäuschung am Ende.

Tipp: Auch ein Event ohne Wunschkunden kann sehr wertvoll für Dich sein, wenn Du Dein Ziel im Vorfeld auf etwas anderes ausrichtest.

4. Passt das Format zu mir?

Event-Formate gibt es wie Sand am Meer.

Die folgenden Formate sind dabei gängig:

 

Unternehmer-Zirkel (z. B. Frühstückstreffen, regelmäßig einmal im Monat im Café xyz, Vor-Ort-Treffen)

Vorteil:

  • Diese Treffen finden vor Ort statt.
  • Du kannst schnell Vertrauen aufbauen, direkt vor Ort mit Menschen in Kontakt kommen.
  • Diese Menschen kannst Du auch wieder sehen, weil ihr in der gleichen Region wohnt.

Nachteil:

  • Je nach Deinem Thema triffst Du nicht unbedingt auf Deine Zielgruppe.
  • Nicht immer haben diese Treffen die richtige Themenmischung (z. B. zu wenig Online).

Investition:

ab ca. 20/30 Euro

 

Konferenz

Auf Konferenzen gibt es Impulsvorträge, Speaker, Keynotes und / oder Podiumsdiskussionen. In der Regel sind Konferenzen größere Veranstaltungen, auf denen nur geredet wird. Auf Konferenzen erarbeitest Du nichts, Du holst Dir dort Impulse ab. Du lernst viele neue Leute und viele neue Themen kennen. In erster Linie sind diese Veranstaltungen inspirierend. Das hat auf jeden Fall auch seinen Zweck und es ist toll, um an Trends dranzubleiben. Auf Konferenzen werden oft Dinge und Themen vorgestellt, die der nächste Hit im Bereich Online-Marketing sein werden.

Vorteil:

  • Viele unterschiedliche Themen
  • viele Menschen
  • viele Impulse

Nachteil:

  • Es gibt keine Umsetzung. Das heißt, Du gehst danach mit einem langen Zettel und tausenden von Ideen nach Hause, und dort verpuffen diese Ideen schnell im normalen Tagesablauf.

Investition:

ab ca. 50 Euro

 

BarCamp

Barcamps sind zwar abgeleitet von Konferenzen, das Programm wird aber am Seminartag selbst kreiert und gestaltet. Und zwar durch die Teilnehmer selbst.

Vorteil:

  • Jeder kann sich einbringen. Jeder ist Experte. Jeder kann sagen: Hey, ich spüre gerade das Thema xyz liegt in der Luft, und ich will das bringen.
  • Anfangs wird grob abgestimmt, ob Interesse für die Themen vorhanden ist. Manche Themen schaffen es dann nicht auf die Agenda.

Nachteil:

  • Nicht immer ist klar, ob Du inhaltlich auf Deine Kosten kommst.

Investition:

ab ca. 150 Euro

 

Workshops und Seminare

Bei diesen Veranstaltungen ist im Vorfeld klar, welche Experte zu welchem Thema spricht und wie viel Raum ein bestimmtes Thema einnimmt. Hier geht es darum, in kleinen
Gruppen von 8-10 Leuten ein bestimmtes Thema fallabschließend zu bearbeiten.

Vorteil:

  • Klarheit über das Thema und die Experten
  • Bearbeitung eines Themas mit echten Ergebnissen und nicht nur Handlungsimpulsen.

Nachteil:

  • Du musst echt mitmachen, sonst bringt das nichts :-)

Das heißt:  Ein Workshop-Format in ein Format für Leute, die umsetzen wollen. Ein Format für Macher.

Investition:

ab ca. 250 Euro

 

Du siehst: Jedes Format hat seine Vor- und Nachteile. Es hängt von Dir und Deinen Erwartungen ab, was für Dich geeignet ist.

Und das ist immer wichtig: Ist es mal wieder Zeit, etwas für meine Sichtbarkeit zu tun?

Ein Ziel ist übrigens immer wichtig: Etwas für seine generelle Sichtbarkeit zu tun. Sich zu zeigen. In den Austausch zu kommen. Mal aus seinem ewig gleichen Kopfkino herausgerissen zu werden.

Dazu sind folgende Aspekte wichtig:

  • Wie nah ist der Veranstaltungsort an meinem Heimatort?
  • Kann ich die Veranstaltung mit einem Besuch bei Freunden, Familie etc. verbinden? (Da ich viel in Deutschland herum gekommen bin und ein großes Vor-Ort-Netzwerk habe, klappt das meist gut.)
  • Ist es denkbar, die Veranstaltung mit einem eigenen Vor-Ort-Event zu kombinieren, z. B. Coaching-Sessions in der Stadt anzubieten, einen Strategietag zu organisieren oder ein Meet & Greet mit mir?
  • Habe ich Lust auf die Leute, die ich dort treffe? Wen möchte ich wiedersehen? Wen neu kennen lernen?
  • Interessiert mich das Format, der Veranstaltungsort, das Rahmenprogramm?
  • Und natürlich: Kann und möchte ich mir an diesen Tagen Zeit dafür nehmen? (Du weißt ja, Zeit haben und Zeit nehmen sind zwei paar Dinge …)

Wenn ich Lust darauf habe, mal wieder mein Home Office zu verlassen, echte Menschen zu treffen und mich inspirieren zu lassen, besuche ich also auch “mal einfach so” eine Veranstaltung.

Fazit

Es gibt jede Menge tolle Events, die Dich in Deinem Business richtig voranbringen. Ich finde übrigens ca. 1 Veranstaltung pro Quartal toll, um mich weiterzubilden, vor Ort sichtbar zu sein und neue Kunden zu gewinnen.

Wenn Du neu unter den Selbständigen bist, ist es wichtig, dass Du Dich an Events gewöhnst und lernst, diese wirkungsvoll für Dein Business zu nutzen. Du solltest auf jeden Fall so früh wie möglich “raus gehen” mit Deiner Business-Idee. Es ist egal, ob schon alles fertig ist. Du brauchst keine Website. Keinen Business Plan. Und so weiter. Entscheidend ist, dass Du Bock darauf hast, mit Deiner (groben) Idee in die Welt zu gehen und echte “Business-Luft” zu schnuppern.

Trau Dich! Such Dir ein Event aus, wo Du tolle Menschen triffst und viel lernen kannst. Das könnte z. B. ein Event sein, auf dem Du mich treffen kannst :-)

 

(Photo by Jakob Dalbjörn on Unsplash)

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Ich stimme der Datenspeicherung zu.